Vorgeschichte

Laufen hat mir nie gefallen. Ganz und gar nicht. Man strampelt sich ab und kommt nicht vorwärts. Da war mir Fahrrad fahren immer lieber. Momentan laufe ich jeden Tag. Das muss furchtbar ungesund sein, was man so hört. Ja, tatsächlich mag das nicht optimal sein. Ich mache es aber trotzdem und das hat Gründe.

Angefangen hat meine Laufgeschichte eher durch Zufall. Der Stall, an dem unsere Pferde stehen ist ca. zwei Kilometer entfernt. Weihnachten 2017 musste abends nochmal jemand hin um Futter vorzubereiten. Da ich an diesem Tag noch ein paar Kalorien an Bewegung verbrennen musste, um meine Ziele zu erreichen, habe ich kurzerhand probiert, ob das mit dem Joggen klappt. So ganz untrainiert. Also irgendwelche Schuhe angezogen und los ging es. Und: Es fühlte sich gut an. Leicht. Ich war so im Fluss, dass ich gleich noch um’s Dorf herum bin und so insgesamt 6 km hatte.

Ähnliches hat sich dann noch ein paar mal wiederholt. Bis die Entscheidung kam, es müssen Laufschuhe her. Im Geschäft die günstigsten genommen. Im Regen würde ich ja ohnehin nie laufen. Und wahrscheinlich hätte ich nach zwei Wochen auch gar keine Lust mehr.

Mit Routine den inneren Schweinehund besiegen

Es ist das gleiche wie mit den guten Neujahrs-Vorsätzen. Erst hohe Motivation. Geben, was geht. Und dann meldet er sich zu Wort: Der innere Schweinehund. Er sagt „aber heute regnet es doch“, oder „du musst dir auch mal eine Pause gönnen“ oder „heute fühlst du dich doch nicht gut“.

Irgendwann ist jede Ausrede recht, warum es gerade heute nicht geht. Und mit jedem ausgefallenen Training schwinden die guten Vorsätze schleichend dahin.

Ihr kennt das sicher selbst, denn eine neue Erkenntnis ist das nicht.

Also habe ich zum einen versucht, jeden Tag zu laufen. Darin sah ich die einzige Chance, eine Routine daraus zu machen. Bei jedem Wetter. Vielleicht hatte ich auch Glück, im Winter bei schlechtem Wetter anzufangen. So wird es im Frühling angenehmer. Der umgekehrte Fall mag schlimmer sein, wenn dann die ersten nasskalten Tage kommen.

Suche dir eine Zeit in der niemand etwas von dir will.

Der zweite und entscheidende Punkt für mich war die Wahl der Zeit. Abends, nach der Arbeit, gibt es wieder viel zu viele Ausreden. Familie, Pferd, Haus, Vereine. Jeder will etwas, überall muss etwas gemacht werden. Ganz im Gegenteil dazu: Vor der Arbeit. Da schlafen alle und ich bin mein eigener Herr. So lange die Motivation noch hoch ist, ist das frühe Aufstehen kein Problem (In meinem Fall 4:30 Uhr). Im Erfolgsfall ist die Routine geschaffen, bis die anfängliche Motivation allmählich nachlässt. Und auch da hilft das tägliche Laufen. Es wird zur Routine wie das Duschen und Zähneputzen.

Bild meiner Laufstrecke
Tägliche Laufstrecke

Angefangen habe ich mit 3,5 km. Jetzt schaffe ich 6 km. Das kostet mich etwas mehr als eine halbe Stunde am Tag. Nach der Bewegung bin ich fitter auf der Arbeit und hab’s auch schon hinter mir, wenn der Tag anfängt. Nebenbei kann ich 400 kcal mehr essen an diesem Tag.

Und die Gesundheit?

Ich kann nicht klagen. Insgesamt habe ich wesentlich mehr Ausdauer. Wenn ich mich nicht so gut fühle, verkürze ich die Strecke und gehe langsamer. Und selbst, wenn es nur zügiges Spazieren ist: Ich gehe meine halbe Stunde. Seit einem Jahr von einigen Ausnahmen (anderes Training oder tatsächlich krank) abgesehen jeden Tag. Später dann auch mit Schuhen aus dem Fachgeschäft mit Laufband-Analyse.

Das beschriebene Laufen ist bestimmt kein sinnvolles Training für jemand mit sportlichen Ambitionen, der sich steigern und verbessern will. Aber mir als Sportmuffel reicht die gewonnene Fitness. Es ist letztlich der Versuch, einen kleinen Slot im Tag mit Bewegung zu füllen um etwas extra Energie zu verbrauchen.

Die halbe Stunde mit 5-6 km summieren sich mit dem restlichen Büroalltag auf 10000 – 15000 Schritte. Diese werden im Allgemeinen ja gefordert für ein gesundes Leben und sollte der normal-gesunde Mensch doch aushalten?

Lessons learned? Meine Tipps zum Start des Trainings:

  1. Suche dir eine Zeit, in der niemand etwas von dir will.
  2. Mache es täglich, um Routine zu schaffen.
  3. Traininere am Anfang des Tages: So startest du mit einem Überschuss an „Essens-Potenzial“ in den Tag und musst nicht am Abend „nachverbrennen“. Ein gutes Gefühl.
  4. Am Besten zur immer gleichen Zeit (am Wochenende 1,5 Stunden später).
  5. Plane es in den Tagesrhythmus ein: Aufstehen, Zähne putzen, Trainieren, Duschen, Alltag.
  6. Nimm dafür ein festes Zeitfenster (Ich halte 30 bis 40 Minuten für sinnvoll).
  7. Ziehe es durch, auch bei schlechtem Wetter.
  8. Trainiere alleine. Zwar mag es helfen, sich gegenseitig motivieren, aber es können dann auch zwei Parteien sagen, warum es heute nicht geht.
  9. Vergessen worum es geht? Nicht so viel Vorschriften machen lassen. Wichtigster Tipp ist also Nummer 10:
  10. Finde den für dich richtigen Weg!

Fazit

Ist tägliches Laufen ungesund?

Mag sein, aber wenn die Alternative „keine Bewegung“ ist, könnte das noch ungesünder sein…

Wie stehst du zum täglichen Training? Besser als nur Passiv-Sport? Lieber ineffektiv als gar nicht? Kann man auch mit wenig Ambitionen langsam mehr Abwechslung integrieren und Leistungssteigerungen erzielen? Schreibt mir in den Kommentaren.

Veröffentlicht von Andreas

Drehstuhlpilot mit Vorliebe für energiereiches Essen und wenig Drang zur Bewegung im Duell gegen das Übergewicht.

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