Ungesundes Leben, was meinen wir damit überhaupt? Ein Begriff, eine Redewendung wie „das ist aber ungesund“ oder „das soll ja gesund sein“ ist schnell in den Raum geworfen. Aber was verstehen wir eigentlich unter „Gesundheit„?

Die Wikipedia definiert Gesundheit wie folgt:

„Gesundheit wird, auf den einzelnen Menschen bezogen, als Zustand des körperlichen und/oder geistigen subjektiven Wohlbefindensaufgefasst. Auf eine Population bezogen steht Gesundheit für ein  möglichst geringes Ausmaß an Krankheitslast. Gesundheit hat mit dem Erleben eine subjektive Seite, und erscheint andererseits auch objektiv feststellbar über das Nicht-Vorliegen von Krankheit, bei Fehlen einer medizinischen Diagnose.“

Wikipedia

Aber was ist folglich „gesundes Essen“?

Kann Nahrung „gesund“ oder „ungesund“ sein?

Ich bin gesund – oder nicht. Meine Ernährung kann diese Gesundheit also bestenfalls fördern, oder ihr schlimmstenfalls schaden.

Dennoch spricht man von „gesunden Lebensmittel“ Als gesund wird uns in der Regel Obst und Gemüse verkauft, von denen wir möglichst 5 am Tag zu uns nehmen sollen. Ungesund sein sollen dagegen auf jeden Fall weißes Mehl und Fleisch.

Was ist ungesund, wenn man gesund ist?

Ich bin selten krank, fühle mich gesund und bin meistens auch sehr zufrieden mit meinem Leben. Darauf, was ich esse, achte ich kaum. Ist mein Körper eine tickende Zeitbombe, habe ich einfach nur Glück, oder ist der Einfluss des Essens vielleicht gar nicht so groß, wie immer behauptet wird?

Wenn mir im Alltag vorgehalten wird, wie ungesund ich mich doch ernähren würde, stelle ich meinem Gegenüber gerne die provokante Frage:

Was verstehst du eigentlich unter dem Begriff „ungesund“?

Den meisten Menschen fällt es schwer, eine klare Antwort zu geben, was sie überhaupt meinen. Meistens landet man nach einigem hin und her letztlich bei der Kernaussage „das macht halt dick“. Damit haben sie dann im Grunde recht, denn Übergewicht bringt unangenehme Probleme mit sich. Das ist vielfach belegt. Weniger eindeutig dagegen sind viele Aussagen um die angeblich so gesundheitsfördernde Wirkung mancher Lebensmittel. Oder auch die schädigende. Hier sieht die Beweislage bei genauem Hinsehen oft ernüchternd aus.

Übertragbarkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse

Gewisse Medien und dubiose Geschäftemacher verkünden gerne Heilsversprechen, die neue Superdiät und Lebensmittel, die angeblich den Krebs bekämpfen. Viele der Behauptungen stützen sich allerdings lediglich auf Beobachtungen in Labor-Experimenten. Diese mögen interessante Erkenntnisse zum Vorschein bringen, die es lohnt weiter zu erforschen. Aber bis zu einer Übertragung auf den Menschen, bzw. die Gesellschaft ist es ein weiter Weg. Dabei ist zu klären, ob sich die Erkenntnisse überhaupt übertragen lassen. Und wenn ja, welche Wechsel- und Nebenwirkungen treten gegebenenfalls auf? Hat ein Lebensmittel einen positiven Effekt, stellt sich die Frage, wie groß er ist. Kann der Effekt durch eine praktikable Ernährung wie sie im Alltag durchführbar ist überhaupt seine Wirkung entfalten? Oder im „ungesunden“ Fall eine tatsächliche Beeinträchtigung der Gesundheit? Stichwort: Die Dosis macht das Gift.

Um stichhaltige Aussagen treffen zu können, müssen auch andere Einflussfaktoren betrachtet werden. Dass wir eine Korrelation sehen bedeutet noch lange keine Kausalität.

Beschäftigung mit Gesundheit sollte nicht zwanghaft sein

Es ist in Ordnung, sich mit „gesunder Ernährung“ zu beschäftigen. Wir sollten es aber nicht zu einem Zwang machen. Denn auch bei gut belegten Zusammenhängen stellt sich Frage, wie viele Lebensjahre mit der optimalen Ernährung am Ende gewonnen werden können. Auch glücklich sein trägt zur Gesundheit bei (Verweis auf das „geistiges subjektives Wohlbefinden“ aus o. g. Definition). Wir sollten uns also nicht geiseln lassen von vage belegten Vorschriften, wenn wir dabei nicht glücklich sind.

Wir haben gute Lebensmittel

Durch viel Wissen, daraus resultierenden Grenzwerten und eine gute Überwachung haben wir hier und heute das Glück, die vermutlich besten und sichersten Lebensmittel seit jeher zur Verfügung haben. Es könnte sein, dass gerade auch der materielle Überfluss dem Boom von alternativen Ernährungsweisen Aufwind gibt. Ich stelle die Vermutung auf, dass es mit einer halbwegs abwechslungsreichen Ernährung kaum möglich ist, Mangelerscheinungen zu entwickeln, die sich nur auf „falsches Essen“ zurückführen lassen.

Tim Mälzer hat in einem wissenschaftlich begleiteten Experiment gezeigt, dass auch eine Ernährung über Fast-Food die Blutwerte der Probanten kaum änderte. Die Gefahr bei der reinen Fast-Food-Ernährung lauert in der hohen Energiedichte des Essens, das ein ständiges Hungergefühl bewirkt: Wir essen viel zu viel davon um satt zu werden. Damit wären wir aber dann wieder bei dem Punkt Übergewicht.

Was verstehst du unter gesund / ungesund? Ich freue mich auf Kommentare.

Zum Weiterlesen, -schauen und hören

Dr. Werner Bartens „Es reicht! Schluss mit den falschen Vorschriften“
Der skeptisCH Podcast zu gesunden „Superfoods“

Der „Ernährungs-Check“ mit Tim Mälzer und die Reaktion auf Gegenargumente bei daserste.de.

„Gesundheitsdiktatur“: Heidelberger Professor wettert gegen das Gesundheitssystem (rnz.de)

Sendung Quarks im Ersten „Gesund ernähren – geht das?“
Video in der ARD-Mediathek

Veröffentlicht von Andreas

Drehstuhlpilot mit Vorliebe für energiereiches Essen und wenig Drang zur Bewegung im Duell gegen das Übergewicht.

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